PROJEKT HYPERSOIL     Pfad:http://hypersoil.uni-muenster.de/0/02/02/02.htm
Modul: Boden - Informationen
Kapitel: Bodengefährdung
Seitentitel: Bodenerosion

Als Bodenerosion bezeichnet man den Verlust und die Verlagerung von Bodenmaterial durch Wasser und Wind. Dabei lassen sich zwei Formen differenzieren: einmal die mengenmäßig bedeutsamere Wassererosion (s.u.), zum anderen die Winderosion (s.u.). Sie stellen die Hauptursachen der globalen Bodendegradation dar (s. Tab.1). Auch unter natürlichen Bedingungen befinden sich Böden nie in einem stabilen Entwicklungszustand und ändern sich fortlaufend. Durch die wirtschaftliche Nutzung der Böden durch den Menschen und ihre Aktivitäten wird aber vor allem die Erosionsrate des Bodens erhöht, was generell mit einem echten Verlust von Boden einhergeht (vgl. GRAßL 1997, S. 13).

Insgesamt wirkt sich der Verlust des humus- und nährstoffreichen Oberbodens durch Erosion negativ auf die Bodenfruchtbarkeit sowie das Wasserspeicherungs- und Filtervermögen der Böden aus (s. Bodenfunktionen).

 
Wassererosion in %
Windersosion in %
Summe insgesamt in %
weltweit
56
28
84
Afrika
46
38
84
Asien
58
30
88
Nordamerika
67
25
92
Ozeanien
81
16
97
Europa
52
19
71
Südamerika
51
17
68
Tab.1: Anteil der Erosion an den anthropogenen degradierten Bodenflächen
(zusammengestellt nach WBGU 1993, S. 71 – Tabelle 11 (Quelle: Oldeman et al. 1991))

Überdurchschnittlich stark durch Wassererosion betroffen sind die Böden in Asien, Nordamerika und Ozeanien, während in Afrika die Winderosion deutlich stärker greift. Allein in den USA beträgt der jährliche Feinbodenverlust durch Erosion circa 3 Mrd. Tonnen (FALTERMEIER 1994, S. 55).

In Europa liegt die Erosionsrate zwar unter dem durchschnittlichen Anteil, dennoch beträgt in Deutschland z.B. die mittlere Bodenerosionsrate im Jahr etwa acht bis zehn Tonnen pro Hektar und übertrifft damit die durchschnittliche jährliche Bodenneubildungsrate von etwa 2 Tonnen pro Hektar um das Fünffache (vgl. GRAßL 1997, S. 14/15). „Wie schnell Boden verloren gehen kann, wurde vielen Deutschen im April 1997 klar, als Winderosion von den vorwiegend noch nackten Ackerflächen in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Brandenburg die Autofahrer auf den Autobahnen zwang, sich tagsüber mit Licht langsamer fortzubewegen. Wohl kaum einem wurde dabei klar, dass von vielen Äckern Jahre, wenn nicht Jahrzehnte der Bodenbildung bei einem einzigen Sturm weggeweht wurden“ (GRAßL 1997, S. 15).

Vor allem in Südeuropa spielen Wasser- und Winderosion, verursacht durch eine Kombination aus widrigen Klimabedingungen, steilen Hanglagen, dünnen Vegetationsdecken und mangelhaften Bewirtschaftungsmaßnahmen, eine herausragende Rolle. Als besonders gefährdet gelten der Mittelmeerraum, der Balkan und die Anrainerstaaten des Schwarzen Meeres (EUA 2002, S. 14; vgl. auch EUA 2001, 2003).


Wassererosion

 Wassererosionen werden durch Niederschläge und oberflächlichen Wasserabfluss verursacht. Besonders gefährdet sind verdichtete Böden ohne bzw. mit geringer Vegetationsdecke und Böden in Hanglagen. Das durch Wassererosion abgetragene Bodenmaterial wird teilweise in den Tälern deponiert (Hochflutlehm) und kann dort zur Verschlickung und Verlandung von Flüssen führen (z.B. Huang-he-Syndrom, s. Syndromansatz). Die größeren Mengen werden jedoch mit den Flüssen zum Meer transportiert und dort im Deltabereich abgelagert. Durch die nährstoffreichen, zum Teil auch schadstoffbelasteten Sedimente können marine Ökosysteme eutrophiert und nachhaltig beeinträchtigt werden. Besondere Beispiele für diese Formen der Belastung mit „pedogenen Schadstofffrachten“ sind die Ostsee und der Persische Golf (vgl. WBGU 1993, S. 79).

Das Phänomen Wassererosion wird durch zwei Faktoren bestimmt: die Erosivität der Niederschläge, die von Menge, Verteilung und Intensität der Niederschläge abhängt, und die spezifische Erodierbarkeit des Bodens. Letztere wird durch die Bodeneigenschaften, topographische Faktoren und Bewirtschaftungsmaßnahmen beeinflusst (WBGU 1994, S. 52).

Allgemein lassen sich vier Formen differenzieren:

  • Verschlämmung des Oberbodens ohne wesentlichen Bodenverlust
  • Verlust von Oberbodenmaterial und Nährstoffen
  • Zerstörung der Bodenoberfläche durch Abflussrinnen und -gräben
  • Überdeckung von Böden an Unterhängen und in Tälern durch Anschwemmung des abgetragenen Bodenmaterials

 Weltweit dominiert dabei der Verlust von Oberboden und Nährstoffen. Die durch anthropogen verursachte Wassererosionen beeinträchtigte Bodenfläche wird dabei auf etwa 1.1 Mrd. Hektar geschätzt. Primär betroffen sind humide, tropische und subtropische Bereiche (s. WBGU 1994, S. 52).


 Winderosion

Dieses zweithäufigste Degradationsphänomen ist besonders in ariden Gebieten verbreitet und insbesondere bei gröber texturierten Böden mit schwach entwickelter bzw. fehlender Vegetationsdecke anzutreffen. Weltweit sind etwa 550 Mio. Hektar Bodenfläche degradiert, davon 94 % in Trockengebieten. Besonders stark betroffen davon sind Afrika und Asien (s. Tab.1).

Reduktion der Vegetationsdecke, Beweidung und Bodenbearbeitungsmaßnahmen fördern die Winderosionsgefahr. Allgemein lassen sich dabei drei Typen unterscheiden (vgl. WBGU 1994, S. 54):

  • Gleichmäßiger Abtrag von Oberbodenmaterial
  • Geländedeformation durch Ausblasungskavernen und Dünenbildung
  • Bodenüberdeckung mit erodiertem Material


Zusätzliche Hinweise und praktische Beispiele:

siehe www.bodenwelten.de/bod_schatz/los/bod_los.htm

 

Weitere Informationen:

  • Bodennutzung
  • Bodeninterne Degradation
  • Syndromansatz
  • Aktuelle Situation
  • Bodenschutz

 

Literatur:

EUA (2001): Europäische Umweltagentur: Die Umwelt in Europa: Der zweite Lagebericht. Bodendegradation (Kapitel 11). – Download: reports.de.eea.eu.int/92-828-3351-8/de/11.de.pdf (05.10.04)
EUA (2002): Europäische Umweltagentur: Auf dem Boden der Tatsachen: Bodendegradation und nachhaltige Entwicklung in Europa. Umweltthemen-Serie No.16 – Download: reports.de.eea.eu.int/Environmental_issue_series_16/de/German%20soil%20for%20the%20www.pdf (05.10.04)
EUA (2003): Europäische Umweltagentur: Die Umwelt in Europa: Der dritte Lagebericht. Zusammenfassung.
Download: reports.de.eea.eu.int/environmental_assessment_report_2003_10-sum/de/kiev_de.pdf (05.10.04)
FALTERMEIER, R . (1996): Lebensraum Boden – Reihe: Praktischer Unterricht Biologie. Stuttgart: Klett Verlag.
Graßl, H. (1997): Brisante Mischung – Böden und globaler Wandel. In: Kümmerer, K./ Schneider, M./ Held, M. (Hrsg.): Bodenlos – Zum nachhaltigen Umgang mit Böden. Politische Ökologie 15, Sonderheft 10. München: ökom, S. 12-16.
WBGU (1993): Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (Hrsg.): Welt im Wandel: Grundstruktur globaler Mensch-Umwelt-Beziehungen. Jahresgutachten 1993. Bonn: Economica.
Download: www.wbgu.de
WBGU (1994): Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (Hrsg.): Welt im Wandel: Die Gefährdung der Böden. Jahresgutachten 1994. Bonn: Economica. - Download: www.wbgu.de