PROJEKT HYPERSOIL     Pfad:http://hypersoil.uni-muenster.de/0/02/02/03.htm
Modul: Boden - Informationen
Kapitel: Bodengefährdung
Seitentitel: Bodeninterne Degradation

Im Gegensatz zur Bodenerosion wird bei bodeninternen Degradationsprozessen in der Regel kein Bodenmaterial an andere Standorte verlagert. Vielmehr wird hier der Bodenkörper selbst in seinen natürlichen Strukturen und Funktionen mehr oder weniger stark beeinflusst, verändert und zerstört. Grundsätzlich lassen sich dabei drei Ursachenkomplexe differenzieren, die nachfolgend näher dargestellt werden:

  • Chemisch bedingte Degradation
  • Physikalisch bedingte Degradation
  • Biotische Degradation

Bezogen auf die globalen Verhältnisse spielen bodeninterne Degradationsprozesse mengenmäßig eine weniger gravierende Rolle als Erosionsprozesse. Von den weltweit degradierten Bodenflächen – insgesamt etwa 20 Mio. km² bzw. 17% der eisfreien Landoberfläche – sind etwa 80 % durch Erosion geschädigt, während bodeninter­ne Degradationsprozesse nur bei etwa 16% der Flächen ursächlich verantwortlich sind. Dabei dominieren chemisch bedingte Degradationsformen (s. Tab. 1). Überdurchschnittlich hohe Anteile bodeninterner Degradationsprozesse treten in den Industrieländern auf.

 

Bodeninterne
Degradation
(%)

Chemisch bedingte Degradation
(%)

Physikalisch bedingte Degradation
(%)

Weltweit
16
12
4
Afrika
16
12
4
Nordamerika
29
25
4
Südamerika
32
29
3
Asien
12
10
2
Europa
29
12
17
Ozeanien
3
1
2
Tab.1: Anteile und Verteilung bodeninterner Degradationstypen (zusammengestellt nach: WBGU 1993, S. 71 – Tabelle 11 (Quelle: Oldeman et al. 1991))

Chemisch bedingte Degradation

Weltweit sind etwa 12 % der degradierten Böden bzw. 240 Mio. Hektar Bodenfläche durch chemische Degradationsprozesse beeinträchtigt. Überproportional stark ist dieser Phänomenkomplex in Nord- und Südamerika ausgeprägt und spielt hier eine größere Rolle als Winderosionen (s. Tab.1 im Kapitel Bodenerosion).

Prinzipiell lassen sich bei den chemisch bedingten Bodendegradationen vier Ursachenkomplexe bzw. Phänomentypen unterscheiden (vgl. WBGU 1994, S. 54, EUA 2002, S. 20 ff. und FALTERMEIER 1996, S. 55 f., SCHRÖDER 2000):

● Nährstoffverlust und/oder Verlust an organischer Substanz: verursacht z.B. durch land- und forstwirtschaftliche Nutzung und Humusabbau.

● Versalzung bzw. Alkalinisierung: verursacht z.B. durch unsachgemäße Bewässerung oder Aufstieg von salzhaltigem Grundwasser. – Da an den Versalzungsprozessen oft Natrium-Ionen beteiligt sind, wird im Boden Soda gebildet, was ebenso wie die Belegung der Bodenaustauscher mit Na-Ionen langfristig zu einer Alkalinisierung des Bodens führt.

● Kontamination/ Vergiftung durch Stoffeintrag: verursacht z.B. durch die Akkumulation organischer wie anorganischer Schadstoffe aus industrieller wie landwirtschaftlicher Produktion, Deponierung von Abfällen, Missbrauch von Pestiziden, Überdüngung, Deposition von Säuren oder Abgasemissionen – ein Ursachenkomplex, der primär in den Industriegebieten und urbanen Ballungszentren auftritt.

● Versauerung: verursacht durch saure atmosphärische Depositionen (z.B. Luftschadstoffe und „Saurer Regen“) oder nutzungsbedingt durch Düngereintrag bzw. Entzug von Biomasse – Die spezifische Wirkung ist hier stark abhängig von drei Einflussgrößen: Säureeintrag, Säurebildung im Boden und Pufferkapazität des Bodens (vgl. WBGU 1994, S. 56 – Abbildung 5).

Mehr als die Hälfte der chemisch bedingten Degradationsprozesse entfallen auf den Ursachenkomplex „Nährstoffverluste“ (s. Tab.2). In Industriegebieten ist häufig aber eine gegenläufige Tendenz zu erkennen. Hier spielen zunehmend Eutrophierungsprozesse, d.h. die Anreicherung der Böden mit Nährstoffen (z.B. Stickoxide aus der Luft), eine gewichtige Rolle bei der Bodendegradation.

Chemische Degradation
Mio. Hektar
%
  Weltweit
239
12
  - Nährstoffverluste
- Versalzung
- Kontamination
- Versauerung
135
67
22
6
56,5
31,8
9,2
2,5
Tab. 2: Typen und Anteile der chemischen Bodendegradation weltweit (zusammengestellt nach WBGU 1994, S. 50 - Tabelle 5)

Zusätzliche Hinweise und praktische Beispiele:
www.bodenwelten.de/bod_schatz/lasten/bod_lasten.htm

Physikalisch bedingte Degradation

Insgesamt gesehen spielen physikalisch bedingte Degradationsprozesse im Komplex der globalen Bodendegradation eine eher marginale Rolle. Sie sind „nur“ für eine Fläche von etwa 83 Mio. Hektar weltweit ursächlich verantwortlich. Auch hier lassen sich deutliche Abweichungen zwischen den Kontinenten beobachten. Besonders stark von physikalischen Degradationsprozessen betroffen sind die Böden im extrem dicht besiedelten europäischen Raum, wo die chemisch bedingten Degradationsprozesse einen deutlich geringeren Anteil an der Bodenschädigung haben als in anderen Industrieregionen (s. Tab.1).

Grundsätzlich können in diesem Kontext zwei wesentliche Phänomenbereiche unterschieden werden (vgl. WBGU 1994, S. 54 ff.; EUA 2002, S. 20 ff. und FALTERMEIER 1996, S. 55 f., SCHRÖDER 2000):

● Verdichtung, Absenkung und Deformation des Bodengefüges: verursacht durch mechanische Belastungen von land- und forstwirtschaftlichen Maschinen, Überflutungen und Überschwemmungen oder durch den Abbau von organischen Oberböden – Dieses Phänomen geht in der Regel mit einer Reduktion oder Vernichtung des Porenvolumens einher, wodurch die Lebensbedingungen für die Bodenorganismen und ihre wesentlichen Lebensräume beeinträchtigt oder zerstört werden.

Zusätzliche Hinweise und praktische Beispiele:
www.bodenwelten.de/bod_schatz/dicht/bod_dicht.htm

● Versiegelung oder Überdeckung der Bodenoberfläche: verursacht durch Anlage von Verkehrs- und Siedlungsflächen – Dieses Phänomen stellt besonders in den dicht besiedelten Industrieländern ein zunehmendes Problem dar, wirkt sich massiv auf die gesamte Bodenentwicklung aus und geht mit einer nachhaltigen biotischen Degradation des Bodenkörpers einher. In Deutschland entfallen schon über 12 % der gesamten Bodenfläche auf Verkehrs- und Sielungsflächen mit entsprechend überdeckten bzw. versiegelten Böden (s. WBGU 1994, S. 58) und jeden Tag werden etwa weitere 150 Hektar Boden versiegelt.

Zusätzliche Hinweise und praktische Beispiele:
www.bodenwelten.de/bod_schatz/versiegelt/bod_versieg.htm


 
Biotische Degradation

Biotische Bodendegradationsprozesse sind mit einer zunehmenden Veränderung in der Struktur und Zusammensetzung der bodentypischen Lebensgemeinschaften verbunden, wobei zunehmend die natürlichen Stoffkreisläufe gestört werden und eine Entkoppelung von Produktions- und Zersetzungsprozessen auftritt (vgl. WBGU 1993, S. 71).

Bei diesen Prozessen können verschiedene Einflüsse wirksam werden und sich gegenseitig verstärken. Grundsätzlich kann sich jeder Eingriff und jede äußere Einwirkung auf die abiotischen und biotischen Faktoren im Bodenkörper auswirken und damit potentiell für die Veränderung der Lebensgemeinschaften im Boden und ihre Lebensprozesse verantwortlich sein (s. Lebensraum Boden). „Das Wissen hierüber ist bisher jedoch sehr lückenhaft …“ (WBGU 1994, S. 51). Da diese biotischen Degradationsphänomene nicht unmittelbar sichtbar sind und in der Regel auf multivalenten Ursachenkomplexen beruhen, sind sie nur schwer und äußerst aufwendig zu diagnostizieren (vgl. Bodengüteklassen ).


Weitere Informationen:

  • Bodennutzung
  • Bodenerosion
  • Syndromansatz
  • Aktuelle Situation
  • Bodenschutz


Literatur:

EUA (2001): Europäische Umweltagentur: Die Umwelt in Europa: Der zweite Lagebericht. Bodendegradation (Kapitel 11). – Download: reports.de.eea.eu.int/92-828-3351-8/de/11.de.pdf (05.10.04)
EUA (2002): Europäische Umweltagentur: Auf dem Boden der Tatsachen: Bodendegradation und nachhaltige Entwicklung in Europa. Umweltthemen-Serie No.16
Download: reports.de.eea.eu.int/Environmental_issue_series_16/de/German%20soil%20for%20the%20www.pdf (05.10.04)
EUA (2003): Europäische Umweltagentur: Die Umwelt in Europa: Der dritte Lagebericht. Zusammenfassung. – Download: reports.de.eea.eu.int/environmental_assessment_report_2003_10-sum/de/kiev_de.pdf (05.10.04)
FALTERMEIER, R . (1996): Lebensraum Boden – Reihe: Praktischer Unterricht Biologie. Stuttgart: Klett Verlag.
SCHRÖDER, D. (2000): Böden der Erde: Entstehung, Verbreitung, Produktivität und Schutz. In: Geographie und Schule 126, S. 9-18.
WBGU (1993): Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (Hrsg.): Welt im Wandel: Grundstruktur globaler Mensch-Umwelt-Beziehungen. Jahresgutachten 1993. Bonn: Economica. - Download: www.wbgu.de
WBGU (1994): Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (Hrsg.): Welt im Wandel: Die Gefährdung der Böden. Jahresgutachten 1994. Bonn: Economica. - Download: www.wbgu.de