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Modul: Boden - Werkstatt
Kapitel: Regenwurm-Werkstatt
Seitentitel: Lebensformen

Die verschiedenen Regenwurmarten (s. Einheimische Regenwürmer) stellen unterschiedliche ökologische Ansprüche an ihren Lebensraum, z.B. im Hinblick auf ihre Ernährung oder die Besiedlung bestimmter Bodenschichten.

Abhängig von ihrem unterschiedlichen Verhalten können die Regenwurmarten zu verschiedenen ökologischen Gruppen bzw. Lebensformtypen gruppiert werden. Allerdings lassen sich nicht alle Regenwurmarten eindeutig nur einem Lebensformtyp zuordnen. Ebenso zeigen Jugendstadien zeitweise andere Verhaltensweisen als die ausgewachsenen Tiere.

Grundsätzlich lassen sich nach BOUCHÉ (1977) die drei nachfolgend dargestellten Lebensformtypen differenzieren (vgl. RÖMBKE 1997, SCHRADER/ LARINK 1998):

Streubewohner: Sie werden auch als epigäische Regenwurmarten (epi (griech.) = auf; ge/ gae/ gaia (griech.) = Erde) bezeichnet und leben vorzugsweise in der Streu- und Humusschicht an der Bodenoberfläche. Diese Arten sind relativ klein, agil und in der Regel dunkel pigmentiert, z.T. auch kräftig gefärbt. Dadurch sind sie relativ gut getarnt und vor der UV-Strahlung geschützt. Sie können aber nicht bzw. nur in geringem Umfang graben und legen nur relativ kleine Gänge an, die überwiegend horizontal im lockeren Material der Auflageschicht des Bodenkörpers verlaufen. Nur bei extremer Trockenheit oder Kälte ziehen sie sich in tiefere Bodenschichten zurück.

Die steubewohnenden Arten ernähren sich von Pflanzenresten in der Streuschicht und / oder daran lebenden Bakterien, Pilzen und Algen. Zu den typischen Vertretern dieser Lebensform gehören z.B. der rote Laubfresser (Lumbricus rubellus), der braune Laubfresser (Lumbricus castaneus), der Köcherwurm (Dendrobaena rubida) und der Kompostwurm (Eisenia foetida).


Mineralbodenbewohner: Sie werden auch als endogäische Regenwurmarten (endon / entos (griech.) = innen ; ge/ gae/ gaia (griech.) = Erde) bezeichnet. Diese relativ trägen Arten können alle graben. Sie leben in horizontalen Gängen im Mineralboden unter der Erdoberfläche, die sie in der Regel nicht oder nur selten verlassen. Die Arten dieses Lebensformtyps sind in der Regel nicht pigmentiert und mehr oder weniger durchsichtig.

Die Mineralbodenbewohner ernähren sich von abgestorbenen Wurzeln (rhizophag = wurzelfressend) und organischen Substanzen, die im Boden enthalten sind. Dazu müssen sie große Mengen an Erde fressen (geophag = erdfressend). Zu den typischen Vertretern gehören z.B. der kleine Wiesenwurm (Allolobophora caliginosa), der kleine Ackerwurm (Allolobophora chlorotica) und der große Ackerwurm (Octolaium lacteum).


Vertikalbohrer / Tiefgräber: Sie werden auch als anözische bzw. anektische Regenwurmarten (annectare (lat.) = anknüpfen, verbinden) bezeichnet. Regenwurmarten dieses Lebensformtyps bewegen sich als "Liftwürmer" zwischen den Bodenschichten vom Mineralbodenkörper bis an die Bodenoberfläche. Sie sind relativ kräftig gebaut und zumindest auf der Rückseite stärker, meist rot pigmentiert (UV-Schutz!). Diese Arten graben bis zu 3 m tiefe Gänge in den Bodenkörper, die vertikal verlaufen, als Wohnröhren genutzt werden und zur Bodenoberfläche hin geöffnet sind.

Sie ernähren sich von Blättern und anderen Streuresten an der Bodenoberfläche auf, die sie in ihre Gänge ziehen, dort auffressen und verdauen. Der Kot wird zur Bodenoberfläche hin ausgeschieden. Zu den typischen Vertretern dieser Gruppe zählen z.B. der Tauwurm (Lumbricius terrestris) und der große Wiesenwurm (Allolobophora (Aporrectodae) longa).


Weitere Informationen:

  • Äußere Merkmale
  • Ernährung und Verdauung

 

Literatur

BOUCHÉ, M.B. (1977): Stratégies lombriciennes. In: Lohm, U. / Persson, T. (Hrsg.): Soil orgasnisms as components of ecosystems. Ecol. Bulletin (Stockholm) 25, S. 122-132.
BRAUNS, A. (1968): Praktische Bodenbiologie. Stuttgart: G. Fischer.
DUNGER, W. (1964): Tiere im Boden. Wittenberg: Ziemsen.
RÖMBKE, J. (1997): Boden als Lebensraum für Bodenorganismen – 6.4. Lumbricidae. www.xfaweb.baden-wuerttemberg.de/bofaweb/berichte/tbb04/tbb040085.html [Stand: 18.12.2005]
SCHRADER, S./ LARINK, O. (1998): Einblicke in die Ökologie der Regenwürmer. Praxis der Naturwissenschaften – Biologie 47, Heft 4: S. 10-14.