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Modul: Boden - Werkstatt
Kapitel: Regenwurm-Werkstatt
Seitentitel: Sinnesorgane

Regenwürmer sind zwar zu verschiedenen Reizwahrnehmungen fähig (s. Wahrnehmungsleistungen), besitzen aber keine besonders ausgebildeten Sinnesorgane. Bei den einheimischen Arten sind folgende Sinnesleistungen entwickelt:

  • Tastsinn
  • Druck- bzw. Erschütterungssinn
  • Geschmackssinn
  • Lichtwahrnehmungssinn

Die Tastsinneszellen sind über den ganzen Körper verteilt, besonders aber am Vorderende. Als wesentliche Tastorgane dienen Kopflappen und Borsten.

Druckveränderungen werden über Drucksinneszellen und freie Nervenendigungen im Körper wahrgenommen, insbesondere Bodenerschütterungen, wie sie z.B. durch die Wühltätigkeit von Maulwürfen verursacht werden (vgl. GRAFF 1983, S. 26 und 86).

Auch der Geschmackssinn konnte experimentell nachgewiesen werden. Chemi­schen Reize, z.B. pflanzliche Geschmacksstoffe, werden an der Körperoberfläche und im Innern der Mundhöhle wahrgenommen. Als Indiz für die Ausprägung dieser Sinnesleistung gilt das Wahlverhalten der Regenwürmer bei der Nahrungsaufnahme. Zumindest die Geschmacksqualitäten „süß“ (Traubenzucker) oder „bitter“ (Chinin) können unterschieden werden (vgl. MEINHARDT 1986, S.19).

Obwohl Regenwürmer keine komplexen Lichtsinnesorgane wir z.B. Augen besitzen, reagieren sie auf Lichtreize. Während man früher eine allgemeine Lichtempfindlichkeit der Hautoberfläche vermutet hat, konnten inzwischen spezielle Lichtsinneszellen nachgewiesen werden. Diese sind über den ganzen Körper verteilt, treten aber gehäuft am Kopf- und Vorderteil, weniger häufig am Hinterteil und nur vereinzelt in der Körpermitte auf.

Als bodenbewohnende Arten in ständiger Dunkelheit sind Regenwürmer besonders lichtempfindlich, können aber an zunehmende Lichtintensitäten gewöhnt werden. Dabei verstärkt sich in der Regel die Pigmentierung der Haut, d.h. sie werden dunkler. Auf die verschiedenen Wellenlängen des Lichtes reagieren sie unter­schiedlich. So wird blauhaltiges Licht gemieden, während sie sich bei rotem Licht, das sie wahrscheinlich nicht wahrnehmen, wie in Dunkelheit verhalten. Auf ultraviolettes (UV-) Licht reagieren sie extrem empfindlich (vgl. GRAFF 1983, S. 55).

Nach den Untersuchungen von DARWIN (1881, s. 1983, S. 15), der ihnen Klavier, Flöte und Fagott vorspielte und sie anschrie, haben Regenwürmer keinen Gehörsinn.

Weitere Informationen:

  • Wahrnehmungsleistungen

 

Literatur

DARWIN, C. (1983): Die Bildung der Ackererde durch die Thätigkeit der Würmer. Berlin; Schlechtenwegen: März. FÜLLER, H. (1954): Die Regenwürmer. Die Neue Brehm-Bücherei, Heft 140 (Nachdruck). Wittenberg: A. Ziemsen Verlag.
GRAFF, O. (1983): Unsere Regenwürmer: Lexikon für Freunde der Bodenbiologie. Hannover: Schaper.
MEINHARDT, U. (1986): Alles über Regenwürmer. Stuttgart: Franckh.
PETERS, W./ WALLDORF, V. (1986): Der Regenwurm Lumbricus terrestris L. – Eine Praktikumsanleitung. Heidelberg; Wiesbaden: Quelle & Meyer.