PROJEKT HYPERSOIL     Pfad: http://hypersoil.uni-muenster.de/1/03/06.htm
Modul: Boden - Werkstatt
Kapitel: Assel-Werkstatt
Seitentitel: Lebensraum

Die Verbreitung der einzelnen Landasselarten ist von den Feuchtigkeitsverhältnissen an den jeweiligen Standorten abhängig. Dabei zeigen die verschiedenen Arten unterschiedlich starke Anpassungen an das Landleben. Eine Schlüsselrolle spielt dabei die Feuchtigkeit bzw. das Vermögen der Arten, sich gegen Verdunstung zu schützen. Parallel dazu verändern sich die Atmungsmechanismen. So wird die ursprünglich feuchtigkeitsgebundene Kiemenatmung bei einigen Arten zunehmend durch Tracheen-/Lungenatmung ergänzt, wodurch diese Arten dann auch trockenere Standorte besiedeln können (s. Anpassung der Atmungsorgane).

Die meisten Landasseln bewohnen die Bodenoberflächen und leben in der Streuschicht. Nur wenige, in der Regel sehr kleine Arten, können den Mineralboden besiedeln und besitzen eine ausgeprägte Fähigkeit zu graben.

Am dichtesten besiedelt sind strandnahe und unterirdische Lebensräume mit hohem Feuchtigkeitsgehalt. In Mitteleuropa finden sich relativ hohe Populationsdichten besonders in geeigneten Biotopen am Küstenstrich von Ostsee, Nordsee und Atlantik. So wurden in einem Erlenbruch bei Usedom z.B. 190 Asseln pro m² , im atlantischen Bereich sogar Extremwerte von über 7000 Individuen pro m² gefunden (DUNGER 1983, S. 120).

Bevorzugt besiedelt werden Auwälder und andere feuchte Wälder. Mauerasseln, Kellerasseln und Rollasseln können auch in trockenere Lebensräume vordringen und in lichten Wäldern, im offenen Gelände oder in der Nähe menschlicher Siedlungen leben. Landwirtschaftlich genutzte und stark verdichtete Wiesenböden werden aber meist gemieden.

Weiterhin spielt der Kalkgehalt des Bodens für die Verbreitung der Asseln eine Rolle. Da Asseln für die Verfestigung ihres Außenskeletts Kalk benötigen, werden saure Böden ohne Austauschkalk selten von Asseln besiedelt. Dieses Kalkbedürfnis und eine zunehmende Wärmebedürftigkeit einiger Arten der Asseln werden als Gründe dafür genannt, dass manche Asselarten als Kulturfolger in der Nähe menschlicher Lebensräume siedeln. Mauerasseln und Rollasseln, insbesondere aber Kellerasseln zeigen einen deutlichen synanthropen Charakter, wobei die Synanthropie, d.h. Nähe zu menschlichen Siedlungen, nach Nordosten hin zunimmt (MÜLLER 1965). Sie zeigen deutliche Anpassungen an das Leben in trockenerer Luft (s. Lebensweise).